Ein Beitrag von Chris, geschrieben am 28. Mai 2009 in Klettercachen, Tipps:
Ankerpunkt mit Hilfsoption
Wer gelegentlich mit Brust- und Seilklemme klettert, um einen Dose aus einem Baum oder woanders her zu holen, hat es wahrscheinlich schon mal erlebt: Ein wenig zu hoch geklettert und schon geht gar nichts mehr.
Fein raus ist, wenn er nicht alleine unterwegs ist und beim Einbau des Seils über den Anker nachgedacht hat. Kann das Kletterseil durch einen Helfer am Boden ein wenig nachgegeben werden, lässt sich der Kraftakt in schwindelnder Höhe leicht vermeiden.
Unser Freund dabei: Der Bergrettungsknoten.
Er besteht, wie im großen Bild oben zu sehen ist, aus drei Teilen. Am Karabiner ist das Kletterseil mit einem HMS-Knoten befestigt. Der HMS wird wiederum mit einem Schleifknoten festgelegt. Als zusätzliche Sicherung dient ein Überhandknoten. Statt des Überhandknotens (oder noch zusätzlich) kann ein Karabiner als “Rausziehverhinderer” eingebracht werden (so wie hier dargestellt).
Der Seileinbau
Der Bergrettungsknoten bildet den Anker für das Kletterseil, welches oben über eine Astgabel gelegt oder durch einen Kambiumschoner gefädelt ist. Das Seilstück zum Aufstieg sollte möglichst kurz und der Anker möglichst nahe am Kletterbaum sein, um einen möglichst großen Seilrest zu erhalten. Dieser Seilrest, der länger sein muss als die Steighöhe des Kletterers, darf gerne in der Seiltasche bleiben, wenn er krangel- und knotenfrei verstaut ist. Wichtig: Das Ende dieses freien Seils muss abgeknotet sein!
Ablasser in der Not
Bei Bedarf kann der Helfer am Boden den Kletterer ablassen. Je nach Situation ein kurzes Stück oder ganz bis auf den Boden. Dazu muss nur der Überhandknoten gelöst und mit einem beherzten Ruck am freien Seil der Schleifknoten gelöst werden. Dabei aber bitte das freie Seil dabei gut festhalten! Das freie Seil wird dabei möglichst parallel zum Lastseil geführt, um die Bremswirkung hoch zu halten. Durch Nachgeben wird der Kletterer langsam abgelassen. Niemals verlässt die Hand des Sichernden dabei das Seil!
Nachdem die gewünschte Höhe erreicht ist, wird das Seil wieder mittels Schleif- und Überhandknoten fixiert. Dazu muss natürlich jeder Handgriff vorher geübt werden und vor allem der Schleifknoten blind beherrscht werden. Dabei hilft nur eins: üben, üben, üben….
Ein sehr schönes Video über das festlegen des HMS wie hier vorgestellt gibt es hier.
Und das hält?
Ja, das hält. In der Zeitschrift bergundsteigen (Ausgabe 3/05, “spannende seile” wurde ein Ankerpunkt mit dieser Technik gebaut und mit 5 kN (also knapp 500 kg) belastet. Diese Belastung werden wir beim Klettercachen nur in Extremsituationen erreichen können. Üblicherweise dürfte mit nicht mehr als 2 kN zu rechnen sein, es gibt also reichlich Reserve.
Bei dem oben genannten Belastungstest wurde beim “Setzen” der Knoten eine Seilausgabe von 25 cm beobachtet. Das ist nicht bedrohlich, so lange die Schlaufe des Überhandknotens großzügig genug bemessen wurde.
Viel Spaß und immer mehr als eine Hand breit Luft unter dem Hintern!

Ja, schöne Sache das. Geht auch mit nem GriGri, I’D oder ähnliches unten am Ankerpunkt. Hast übrigens den Überhand- und Schleifknoten im Bild vertauscht.
Gruß,
klo25
Die Knoten sind nicht vertauscht. Der obere Knoten ist nur etwas unglücklich gezogen.
Welcher Gelegenheits-Kletterer hat schon ein GriGri ode I’D zuviel?
Auch sehr gut geeignet bei Kletteranfängern. So braucht man die Aspiranten nicht unbedingt alleine im Baum umbauen lassen (wenn dies überhaupt nötig wäre).
hui, das wird die tage gleich mal getestet!
Wir haben es kürzlich mal getestet.
Das legen des Schleifknotens hat ein paar Anläufe benötigt.
Aber als der Aufbau stand hat es gut gehalten. Den letzten Kletterer haben wir dann durch lösen des Knotens von 2m auf 0m zurückgebracht.
Eine feine Sache.