Ein Beitrag von Chris, geschrieben am 4. August 2008 in Klettercachen, Tipps:

T5 Mania – Sicherheitsregeln zum Klettercachen

An allen Ecken und Enden sprießen sie aus dem Boden: die T5 Kletter Caches. Und bei jedem Cache kann man sehen, wie leichtfertig viele mit ihrer eigenen Gesundheit umgehen. Wir haben Euch deshalb mal die wichtigsten Regeln zum sicheren (und hoffentlich erfolgreichen) Klettercachen zusammengestellt.

1. Mache dich mit deiner Ausrüstung vertraut

Wer klettert, geht immer ein Risiko ein. Nur bei guter Kenntnis der benutzten Ausrüstung und ihrer richtigen Anwendung kann das Risiko minimiert werden.

Bedienungsanleitungen alleine helfen dabei nicht weiter. Lasst euch den Umgang mit diesem Material zeigen und übt es regelmäßig in ungefährlichen Situationen.

2. Klettere nie alleine

Auch ein minimales Risiko ist immer noch ein Risiko. Verantwortungsvolle Kletterer werden niemals ungesichert klettern, sondern die Sicherung einem Partner überlassen.

Außerdem kann beim Auftreten eines Notfalls ein Partner auch dann noch Hilfe holen, wenn man selber nicht mehr dazu in der Lage ist. Es ist sicherlich nicht von Nachteil, sich vorher zu überlegen, wie man Einsätzkräfte zur Kletterstelle leiten kann.

3. Plane dein Vorhaben

Plane genau was du vor hast:

  • Habe ich das benötigte Material?
  • Habe ich die nötige Kenntnis?
  • Bin ich den Aufgaben gewachsen (körperlich und mental)?

Besprich die Planung mit deinem Kletterpartner!

4. Klettere nur gesichert

Klettere niemals ungesichert. Die Sicherung über ein Dynamikseil ist für das gewerbliche Klettern zwingend vorgeschrieben. Geocacher sollten sich nicht mit weniger zufrieden geben.

Das Sicherungsseil soll mit einem gesteckten Achterknoten durch die Schlaufen an Beckengurt und Beinschlaufen befestigt werden. Das Anbinden an die Anseilschlaufe bringt zwar weniger Redundanz, gilt aber dennoch als sicher.

Wenn Karabiner zum Verbinden des Sicherungsseils mit dem Sitzgurt verwendet werden sollen, dann müssen immer zwei Karabiner gegengleich verwendet werden (einer mit der Öffnung nach links, der andere mit der Öffnung nach rechts).

5. Kein freies Seilende

Niemals können alle Szenarios im Vorfeld geplant sein. Es kann immer zu Unvorhergesehenem kommen, das dich zum Umplanen zwingt. Eine sehr häufige Unfallursache bei allen Kletterdisziplinen ist das Durchrutschen des Seils durch ein Sicherungs- oder Abseilgerät. Das kann mit einem Achterknoten am Seilende zuverlässig vermieden werden.

6. Schütze deinen Kopf

„Alles Gute kommt von oben“, sagt der Volksmund. Schön wär’s. Auch wenn wir nicht mit Steinschlag rechnen müssen, ist ein Helm ein Muss. Spätestens bei einem unkontrollierten Sturz kann der Helm oft böse Verletzungen verhindern.

Sogar eine leichte Kopfplatzwunde mit ihrer einhergehenden starken Blutung kann uns in Probleme bringen. Wenn das Blut erst mal ins Auge gelaufen ist, wird die Kletterpartie schnell zum Blindflug.

7. Partnercheck

Lasse dich von Deinem Partner kontrollieren und kontrolliere du ihn:

  • Gurt rückgefädelt?
  • Anseilknoten richtig geknüpft?
  • Karabiner korrekt geschlossen und zugeschraubt?
  • Sicherungsgerät richtig eingelegt?
  • Kein freies Seilende?

8. Lass dir Zeit

Klettern unter Zeitdruck sollte man Menschen überlassen, die speziell dafür ausgebildet wurden (z.B. Höhenrettern). Wir lassen uns Zeit, um alles was wir tun zu durchdenken und zwei Mal zu kontrollieren. Das hilft uns, unsere Euphorie zu bremsen (die Dose ist doch schon so nah) und unsere Pläne zu überdenken.

Inzwischen ist der ‘Blackout’ eine anerkannte Unfallursache beim Klettern. Es gibt tatsächlich Unfälle, bei denen sich der Kletternde in großer Höhe einfach ausgeklinkt hat, weil er „nicht bei der Sache war“.

9. Volle Aufmerksamkeit beim Sichern

Das Leben deines Partners liegt in deinen Händen!

Nichts und niemand darf uns davon ablenken, unseren Aufgaben als Sichernder gerecht zu werden. Die meisten Nachlässigkeiten mögen vielleicht folgenlos bleiben oder sogar noch nicht mal bemerkt werden. Im Falle eines Sturzes des Kletternden werden sie aber in der Regel zu Verletzungen führen oder noch schlimmere Folgen haben.

Übrigens kann Unachtsamkeit beim Sichern nicht nur dafür sorgen, dass ein Fehler des Kletternden Folgen hat. Auch der Sichernde kann einen Unfall erst auslösen, z.B. durch zu straffes Seil oder Stolpern.

10. Lass deinen Partner wissen, was los ist

Nur wenn beide Partner miteinander kommunizieren, kann Sicherheit hergestellt werden. Ein „Achtung“ hilft dem Sichernden, auf einen möglichen Sturz gefasst zu sein. Mit „Ein“ wird der Sichernde angewiesen, Seil einzuholen, d.h. er soll das Seil zum Kletternden straffen. Mit „Aus“ fordert der Kletternde mehr Seil an, z.B. um im Vorstieg weiter zu kommen.

Auch andere kletterrelevante Beobachtungen müssen dem Partner mitgeteilt werden. Hat sich etwas an den Voraussetzungen geändert? Stimmt etwas mit der Seilführung nicht? Ändert sich das Wetter?

11. Achte auf den richtigen Seilverlauf

Der richtige Seilverlauf hilft dabei, mögliche Sturzfolgen zu senken. Im Vorstieg ist das Seil so zu führen, dass der Kletternde sich nicht (mit den Beinen) im Seil verfangen kann. Außerdem darf das Seil nicht scheuern, über scharfe Kanten geführt sein oder unkontrolliert umgelenkt werden (z.B. an einer Sprosse der Stabru hängen bleiben).

12. Niemals Seil auf Seil

Seile und Bandschlingen bestehen aus Kunstfasern (Polyamid) und haben damit sehr gute Klettereigenschaften. Sie sind elastisch und sehr reißfest. Aber sie sind auch sehr hitzeempfindlich. Beim Durchlaufen lassen durch einen Karabiner oder durch ein ATC ist das deutlich zu fühlen.

Keinesfalls darf Seil über Seil geführt werden. Wird ein Seil beim Ablassen durch eine Bandschlinge geführt, wird die Schlinge schon nach wenigen Metern durchgeschmolzen sein.

13. Überfordere dich nicht

Klettern kostet Kraft. Gerade als Gelegenheitskletterer hat man davon keine unerschöpflichen Reserven. Plant also immer genug Reserven ein, um sicher wieder nach unten (oder beim Hölenklettern auch nach oben) zu kommen.

14. Vorsicht beim Abseilen

Abseilen ist zwar eine komplexe Tätigkeit, bei der es viel zu beachten gibt, aber sie wird sehr schnell zur Routine. Gerade darin liegt eine große Unfallgefahr; immerhin treten beim Abseilen Kräfte bis zum Dreifachen des Körpergewichts auf.

  • Ist mein Ankerpunkt stabil?
  • Bin ich korrekt gesichert (Top-Rope und/oder Hintersicherung)?
  • Ist mein Material in einwandfreiem Zustand?

15. Nicht übereinander klettern

Erst klettert der Eine, dann der Andere. Der untere setzt sich sonst dem (unnötigen) Risiko aus, von herabfallenden Gegenständen (Steine, Ausrüstung) oder gar einem stürzenden Kletterer getroffen zu werden.

16. Pflege deine Ausrüstung

Nach dem Klettern muss die Ausrüstung gepflegt und korrekt verstaut bzw. gelagert werden.

Das Material wird einer Sicht- und Fühlprüfung unterzogen. Im Zweifelsfalle lieber etwas aussortieren (stört euch nicht an den Preisen, im Zweifel werft mal einen Blick auf die letzte Tankquittung; eure Sicherheit sollte euch schon etwas wert sein).

Zum Thema Pflege, Prüfung und Aufbewahrung sollten auf jeden Fall die Bedienungsanleitungen beachtet werden.

Kommentare:

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  • Pingback von Sicherheit beim Kletter-Cachen | DOSENFISCHER:

    [...] vom Team NC666 hat einen ausführlichen aber dennoch sehr knackigen Beitrag zur Sicherheit beim Erklettern von Caches geschrieben, der hiermit zur Lektüre empfohlen [...]

    5. August 2008 @ 00:11
  • Kommentar von Micha aka Locke:

    Ganz, ganz toll diese Ausarbeitung. Gerade ich als Kletteranfänger werde mir diese Sicherheitsregeln ausdrucken und immer wieder zu Gemüte führen. Vielen Dank aus Lübeck! Micha aka Locke bei GC.com

    5. August 2008 @ 10:01
  • Kommentar von Jan:

    Das mit dem doppelten Karabinern (Punkt 4) kannte ich nicht. Verflixt. Dann allein heute viermal falsch gemacht :o

    5. August 2008 @ 23:05
  • Kommentar von Maacher:

    Ich schlage vor noch ergänzend hinzuzufügen, daß sich kompliziertere Speleobegehungen vom “normalen” Klettern unterscheiden. Wir haben hier so einen lustigen Cache namens Vertical Limit II in der Nähe wo man sich böse sein Seil scheuert wenn man den mit reiner Klettertechnik angeht:

    http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?guid=c13c3b9a-5fde-4762-900c-71561b26194b

    20. Oktober 2008 @ 18:56

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